Nachdem Twitter seine mobile App in den letzten Monaten quasi wöchentlich mit neuen Funktionen aufpeppte, steht nun das erste größere Design-Update der Webversion vor der Tür. (Ich habe mir vorgenommen, in diesem Blogpost komplett auf das Verb „ausrollen“ zu verzichten, um mich von 99% aller anderen Artikel über Designänderungen sozialer Netzwerke abzugrenzen.)

Kritiker gibt es, wie bei jeder tiefgreifenden Veränderung einer gewohnten Benutzeroberfläche, wie Bots am Meer. Im Zentrum der Kritik am neuen Twitter Design steht die optische Annäherung an das Erscheinungsbild Facebooks. Dies wird als besonders ärgerlich wahrgenommen, gilt Twitter doch in vielen Kreisen als die sinnvollere Alternative zu Zuckerbergs Freundenetzwerk, in der man sich aussuchen kann, wessen Inhalte man liest, statt täglich mit immer neuen Selfies ehemaliger Klassenkameradinnen bombardiert zu werden.

Das neue Twitter Design

Fakt ist: der Fokus geht weg vom Tweet, hin zu einem individuellen, mit mehr Informationen und stärker ausgeprägten Bilderwelten gespickten neuen Profildesign. Der Avatar ist größer, das Titelbild nimmt die komplette Seitenbreite ein. Neben der Anzahl an Tweets, Followings und Follower erhält man nun auch auf den ersten Blick Aufschluss über die Zahl der geposteten Fotos und Videos sowie die gesamten (vergebenen, leider nicht erhaltenen) Favoriten eines Accounts. Kurzbio, Ort und Website sowie das neu hinzugekommene Anmeldedatum sind in die linke Spalte gerutscht. Das Hintergrundbild existiert nicht mehr, strahlendes Weiß dominiert die (Achtung, Facebookvokabular!) „Chronik“. Ähnlich zu Facebook wird nun auch als separate Meldung zwischen den Tweets angezeigt, wem der Account in letzter Zeit neu gefolgt ist. Weitere nette Spielerei: Optional lässt sich ein bestimmter Tweet „festpinnen“, um dauerhaft im oberen Bereich zu erscheinen. Hier ergeben sich zahlreiche Möglichkeiten, entweder weitere persönliche Informationen an prominenter Stelle im Profil zu platzieren oder schlicht seinen persönlichen Lieblingstweet zu „highlighten“.

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Die Tweets im neuen Design

Als bemerkenswerteste Veränderung der Tweets im neuen Twitter Profildesign gilt sicherlich die variable Schriftgröße: Tweets, die mehr Favoriten und Retweets erhalten haben, werden größer dargestellt als weniger „erfolgreiche“. (Gilt nur für eigene, nicht für Retweets.) Zudem wird nun, analog zur mobilen Version, die Anzahl der erhaltenen Favs und Retweets direkt im Tweet angezeigt. Jeder Tweet fungiert jetzt als Schaltfläche, die zur jeweiligen Tweet-Seite verlinkt. Musste man vorher noch auf das Datum der Nachricht klicken, um sie als gesonderte Seite anzeigen zu lassen, ist dies nun überall im umrahmten Bereich des Tweets möglich. Fotos lassen sich per Klick in einem Pop-Up vollständig anzeigen.

Neben der Schriftgröße gibt es ein weiteres nützliches Feature, den Fokus auf „relevantere“ Tweets eines Accounts zu lenken: Im oberen Bereich lässt sich zwischen den Anzeigeoptionen „Tweets“ (default) sowie „Tweets mit Antworten“ wählen. Man kennt das: Da gewinnt man einen Follower hinzu und würde sich gern ansehen, was dieser zu sagen hat, und dann ist man gezwungen sich durch meterlange „Chats“ zu scrollen, ehe man tatsächlich mal einen relevanten Tweet findet. Im neuen Twitter Design hingegen werden sämtliche Replies des Accounts nur noch in der „Tweets mit Antworten“-Ansicht angezeigt. Daumen hoch, Twitter!

Fazit

Ich halte den Wirbel um diese vermeintlich grundlegende Designänderung Twitters aus zweierlei Gründen für hochgradig überzogen. Erstens: Die Macht der Gewöhnung. In einem Monat kräht kein Hahn mehr nach dieser von vielen Usern so verteufelten Umstellung. Oder weint heute noch jemand dem alten Sat1-Ball hinterher? Zweitens: Es handelt sich bei der Umstellung ausschließlich um das persönliche Userprofil. Die Timeline als solche bleibt in ihrer Optik und Funktionalität unangetastet. In ihr spielt sich Twitter ab, sie ist die überwiegend genutzte Oberfläche des Netzwerks. Auf Profile einzelner User verirrt man sich naturgemäß eher selten. Die Frage ist nur, wie lang Twitter die Timeline der Webversion noch unangetastet lässt. Hier ergäbe sich deutlich mehr Diskussionspotenzial als bei zwei, drei neuen Features und einem breiteren Header im Profil.

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