Vor einem Jahr zeigte eine von Oktober bis November 2010 durchgeführte Umfrage unter Lesern der Fachzeitschrift „Logistik Heute“ den damaligen Stand des Einsatzes und der Perspektiven von Social Media in der Logistikbranche auf. Während sozialmediale Tools damals zwar mit knapper Mehrheit der befragten Unternehmer mindestens mit wichtig beurteilt wurden, zeigte sich in der Praxis doch ein zurückhaltender Einsatz, der sich vor Allem auf die Bereiche PR und Produktmarketing, sowie mit 85% auf die Verwendung der Plattformen XING und LinkedIN und allenfalls auf YouTube beschränkte. Potentialfelder wie Produktentwicklung oder sogar Recruiting waren von den wenigsten erkannt worden. Immerhin sahen die Befragten mehrheitlich langfristig eine erhebliche Bedeutung von Social Media für ihre Branche.

DHL auf Facebook: Im B2C gut aufgestellt. Aber wo stehen Logistik-Mittelständler im B2B?

In der Ausgabe 50/51 der Deutschen Logistik Zeitung (28. April 2011) schrieb unser Managing Director Gorden Wübbe bereits über die Möglichkeiten, die sich Spediteuren durch soziale Netzwerke bieten. Natürlich hat sich in der Zwischenzeit einiges getan, ein wirklich starkes Engagement ist allerdings vor Allem dort zu verzeichnen, wo Logistikunternehmen im B2C agieren, insbesondere die Facebook-Auftritte von Firmen wie DHL oder UPS sind aufwändig und durchdacht gestaltet. Wie steht es aber heute um die vielen Mittelständler im B2B?

Social Media in der Logistikbranche

Gegenüber 2010 hat sich der Anteil der Befragten, die die Integration von Social Media als wichtig oder sehr wichtig ansehen, inzwischen auf über 65% vergrößert, Handlungsbedarf sehen gut 62% . Gleichwohl fristen SEO, SEM und AdWords gegenüber Website und Email-Marketing noch ein Nischendasein. Bei den sozialen Netzwerken führt nach wie vor XING mit 52,4% deutlich, Facebook (31,6%) und Twitter (18%) holen aber auf und liegen inzwischen vor YouTube (15%). Nur langsam setzt sich die Erkenntnis durch, dass Social Media nicht einfach nur Instrumente für Werbung und Öffentlichkeitsarbeit liefert, sondern auch effektiv im Social Recruiting oder zur Produktverbesserung genutzt werden sollte (s. hier).

Unternehmen würden damit allerdings erst einmal den Standard erfüllen, der für Firmen im B2B bzw. B2C ohnehin jeweils gelten sollte. Ein strategischer Ansatz müsste darüber hinaus den Focus legen auf die Potentiale, die sich branchenspezifisch ergeben. In der Logistik geht es zentral und selbstverständlich um einen schnellen Austausch von Echtzeit-Informationen. Anwendungsmöglichkeiten dürften daher vor Allem entlang der Supply Chain liegen. Denkbar wären hier branchen- oder unternehmensbezogene Usegroups zur Vernetzung der Kunden und übrigen Stakeholder. Allerdings erfordert die Komplexität eines solchen Systems einen bereits sehr hohen Reifegrad auf Seiten der Anbieter und Nutzer. An Externe beauftragt mag die Implementierung nur eine Frage der Kosten sein, entscheidend für den effektiven Einsatz ist aber eine hinreichende Sensibilisierung der Beteiligten, eine gelernte Leichtfüßigkeit im Umgang mit sozialen Netzwerken. Wenn ich heute gefragt werde, wozu ein mittelständischer Betrieb im B2B eine Fanpage auf Facebook brauche, kann ich nur immer wieder auf die niedrigen Barrieren verweisen, die einen Einstieg in Social Media auf diesem Weg nahelegen. In wenigen Jahren wird das soziale Netz sich in stark diversifizierten Unternehmensanwendungen zeigen; nicht gut aufgestellt ist dann, wer erst am Anfang der Lernkurve steht.

 

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