Als geschlechtergerechte Sprache oder umgangssprachlich „Gendern“ bezeichnet die Wikipedia „einen Sprachgebrauch, der in Bezug auf Personenbezeichnungen die Gleichbehandlung von Frauen und Männern und darüber hinaus aller Geschlechter zum Ziel hat“ und außerdem „die Gleichstellung der Geschlechter in gesprochener und geschriebener Sprache zum Ausdruck bringen will.“

Als ich 2014 als Social Media Manager anfing, war geschlechtergerechte Sprache in sozialen Netzwerken noch kein besonders großes Thema. Doch sowohl Sprache als auch gesellschaftlicher Diskurs sind im stetigen Wandel begriffen, sodass wir heute offen mit unseren Kundinnen und Kunden über dieses Thema reden und ein gemeinsames Vorgehen definieren. Dabei empfehlen wir prinzipiell, gegenderte Formen zu verwenden, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind. Doch welche Voraussetzungen sind das?

Voraussetzung 1: Die eigene Bereitschaft zu gendern

Wenn das Unternehmen keinen Bedarf für gendergerechte Sprache sieht, sie im Gegenteil sogar eher ablehnt, dann ergibt es wenig Sinn, sich diese Tonalität von einer Berliner Kreativagentur „aufschwatzen“ zu lassen. Wichtig ist nur, die Verwendung des generischen Maskulinums nachvollziehbar begründen zu können, falls kritische Nachfragen aus der Community kommen. Und kritische Nachfragen zum Thema kommen vermutlich so oder so, egal ob man gendert oder nicht. Dementsprechend sollte hier auch die eigene Bereitschaft als Unternehmen vorhanden sein, seine (potenziellen) Kunden online zu verärgern, nur weil man Sternchen benutzt, um alle Geschlechter zu inkludieren. Wenn Social Media eines bedeutet, dann dass man es niemals allen recht machen kann.

Voraussetzung 2: Die Konsistenz in der Unternehmenskommunikation

Dauerhafte Einheitlichkeit ist wichtig – es sollte also nicht in einer Kampagne gegendert werden, in anderen Postings wiederum nicht. Ein ständiges Wechseln zwischen verschiedenen Genderformen wirkt auch eher unprofessionell, eine klare Guideline sollte erkennbar sein. Es fällt zudem (negativ) auf, wenn auf Unternehmensaccounts in sozialen Netzwerken gegendert wird, auf der eigenen Homepage jedoch nicht. Vor allem im Recruitingbereich sollte auf konsistente Unternehmenskommunikation geachtet werden, um authentisch und glaubwürdig zu bleiben. Es entsteht ansonsten schnell das Bild, man wolle sich bei der modernen digitalen Zielgruppe anbiedern, während die reale Tonalität und Kultur im Unternehmen eigentlich eine ganz andere ist. Jedoch bietet Social Media hier eine Chance, Impulse für echte unternehmensinterne Veränderungen zu setzen.

Voraussetzung 3: Die relevante Zielgruppe

Eine vieldiskutierte Studie vom Mai 2021 kam zu dem Ergebnis, die Mehrheit der deutschen Bevölkerung stehe gendergerechter Sprache eher ablehnend gegenüber. Warum die Fragestellung dieser vom Springer Verlag in Auftrag gegebenen Studie möglicherweise nicht ganz ideal gewählt war, lässt sich hier nachlesen. Klar ist jedoch: Während ältere Semester dem Gendern eher gleichgültig oder ablehnend gegenüber stehen, ist das Thema vor allem für die Generation Z und Y relevant. Daraus lässt sich schließen: Die Entscheidung, ob gegendert werden sollte, ist ein Stück weit abhängig von der demographischen Zusammensetzung der Zielgruppe (und natürlich vom Produkt).

Soll ich jetzt gendern oder nicht?

Auch wenn manche Kommentarspaltenkrieger anderes behaupten: Es wird niemand zum Gendern gezwungen. Ob gendergerechte Sprache für dein Unternehmen in sozialen Netzwerken in Frage kommt, ist deine aktive Entscheidung.

Während es erste Indizien gibt, die darauf hindeuten, dass gegenderte Ads tatsächlich besser performen, sollte man natürlich auch nicht außer Acht lassen, dass die meisten Genderformen mehr Zeichen in Anspruch nehmen als die männlichen Formen. Im Angesicht der Schnelllebigkeit sozialer Netzwerke und der kurzen Aufmerksamkeitsspanne der Nutzerschaft sollte man hier also abwägen, ob man ein paar Extrazeichen in Kauf nimmt und damit den „Mehr anzeigen“-Button im Wording riskiert.

Wer sich nicht sicher ist, ob Sternchen, Binnen-I, Unterstrich oder Doppelpunkt die geschickteste Form ist, findet hier einige Hilfestellungen (Spoiler: Jede Schreibweise hat ihre Vor- und Nachteile!).

Kleiner SEO-Tipp am Rande

Übrigens: Aus SEO-Sicht empfiehlt es sich, die Genderform mit Doppelpunkt auf der eigenen Website zu verwenden. Der Google Algorithmus erkennt bspw. bei „Mitarbeiter:in“ sowohl die männliche als auch die weibliche Form. Bei anderen Schreibweisen wird nur die männliche erkannt, etwa bei „Mitarbeiter*in“, da das Sternchen als Leerzeichen gewertet wird. (Quelle)

Wenn du Unterstützung zur professionellen Unternehmenskommunikation in Social Media benötigst, melde dich gern unverbindlich für ein Erstgespräch bei uns.

 

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