Heute wurde der goldene Windbeutel vergeben. Wer diesen Wettbewerb nicht kennt, dem sei gesagt: er hilft uns als Verbrauchern sehr weiter, weil schon einige Produkte diesen Preis ergattern konnten und danach zum Vorteil der Verbraucher verändert oder verbannt wurden.

Es geht generell um die dreistesten Werbelügen. Auch Social Media hat die Welt verändert und wird sie noch weiter verändern. Ich will der Frage nachgehen: sind die prämierten Unternehmen im Social Web vertreten und wenn ja wie. Ich gehe davon aus, dass jedem Produzenten sein Schmu von vorneherein klar ist und er eben nicht in Social Media aktiv ist, um genau diese Diskussion, wie sie ein Medium wie Foodwatch anstoßen kann, möglichst lange zu vermeiden.

Die Windbeutel Kandidatenschau 2012

Kandidaten waren dieses Jahr: Margarine zum Senken von Cholesterin ohne Langzeitstudien, Tee mit Geschmacksstoffen ohne Naturverbundenheit, mit Wasser und Weizen gestrecktes Hackfleisch, alkoholfreies Bier mit Alkohol und ein Babygetränk voll mit Zucker.
Bei YouTube aktuell bei nur 18.000 Views: die Präsentation der einzelnen Kandidaten – aber nice 2 watch 😉


 

Die unkreativen Social Media Leute von Teekanne

Teekanne wirbt auf der Webseite mit Steffi Graf und mit einem Fotowettbewerb auf Facebook. Die Reichweite der Facebookseite ist mit knapp 7.000 Fans recht überschaubar – Es soll dem Namen nach eine Lounge sein. Lounge heißt ja frei übersetzt: Dort wo man in Ruhe gelassen wird. Die Seite wird sporadisch betreut und wird von meines Erachtens nach unerfahrenen Social Media Leuten betreut, da plumpe Werbung überwiegt und das Fotowettbewerb-Gewinnspiel erschreckend altbacken wirkt. Mit der Aufforderung “sei kreativ” – was will man erwarten, wenn man soviel Kreativität vorlebt. Aber immerhin könnte hier eine Diskussion stattfinden. Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Es gefällt mir, dass es überhaupt gemacht wird und bisher gibt es hier keine Diskussion rund um den Windbeutelpreis.

Kein Wässerchen trüben auf Facebook

Bei Clausthaler sieht es schon anders aus: Es gibt kein Facebook. Schade. Die Website trägt ganz dick auf. Man merkt: hier gibt es ein Produkt, das war und ist das einzige Steckenpferd. Man möchte keine Veränderung. Jetzt kann man Vermutungen anstellen – wer, warum und wie. Ich trinke gerne alkoholfreies (Weizen)Bier und würde mich hier auch u.U. outen – geht aber nicht. Hier wird einfach primär in Fernsehwerbung investiert und der Dialog mit dem Kunden nicht gesucht.

Pseudowissenschaft – Natürlicher Feind von Social Media

Bei Becel merkt man, dass dahinter eben auch nur ein Produkt von Unilever steckt. Eine recht lieblos gestaltete Website mit großen Namen (z.B. Paul Breitner) als Testimonials – Klasse! Frei nach dem Motto: Wir haben jetzt ein Content Management System und “klatschen” die Kernaussagen alle zusammen. Ich finde die dahinter positionierte Pseudowissenschaft ziemlich unseriös und durchschaubar. Hier ist Marketing von 1980 am Start mit einem Fokus auf ein Gewinnspiel. Es werden zwar auf der Landingpage/Subdomain die „Share“ buttons von facebook und google plus beim Gewinnspiel implementiert, aber das wars. Es gibt aber keine offizielle Facebook Präsenz. Hier wird meine Erwartung vollstens bestätigt; wenn alles passen würde, gäbe es auch eine Öffnung nach außen. Also auch hier gibt es noch reinstes Reißbrett – Marketing – Trichterdenken. Das erinnert an die guten alten Dinosaurier. Das System hat wahrscheinlich jahrelang funktioniert – und wird wahrscheinlich auch weiter funktionieren. Aber dafür gibt es ja die Aufklärung. Insgesamt sehr schade.

Hackfleischstrecker ohne Facebook

Die Hackfleisch-Strecker von Netto haben auf ihrer Webseite keinen Verweis auf Social Media. Da ist ein LIDL anscheinend komplett anders unterwegs. Drei Fragezeichen diesbezüglich. Gerade „Orte“ bieten ein unfassbares Potential, was von diversen Drogerieketten demonstriert wird. Aber vielleicht ist auch hier keine „Open Minded“ – Mentalität gefragt. Den Hackfleischpart in dem o.g. Video finde ich sehr beeindruckend. Es wäre fantastisch darüber eine konstruktiv gesteuerte Diskussion bei Facebook zu sehen. Die Möglichkeit “schlechte” Produkte zu verbessern, vor allem gemeinsame mit der Community, besteht immer und ist eine riesige Chance. Nur das sehen “alte” Marketinghasen selten ein. Doppelt schade.

Einsichtiger Sieger mit schwachem Facebook-Team

Der heute gekürte Gewinner Hipp mit dem zuckerhaltigen Kinder Instant Tee hat direkt bekannt gegeben, das Produkt einzustellen. Das finde ich gut. Und auch auf der Homepage wird eine Facebookseite beworben – ebenfalls super. Doch auf Facebook, mit knapp 15.000 Fans, gibt es mehr Werbung als wirkliches Socialtainment auf der Pinnwand. Zu guter Letzt fällt auf, dass es bei dem anscheinend obligatorischen Fotowettbewerb [Anm.: “Wie kreativ!?”] Fehlfunktionen gibt und niemand etwas tut. Also auch hier sind Social Media Amateure am Werk – Traurig.


Social Media fail von Hipp auf facebook

Fehler zu machen ist eins, diese zu verbessern ein Zweites und ein Drittes ist es, die Fans darüber zu informieren, was passiert. Da gestern direkt eine iOs App nachgeschoben wurde, sieht man was dort passiert ist: es wurden Produkte ans Marketing verkauft und keine strategische Unternehmensentscheidung getroffen. Aller Anfang ist schwer, doch Digital Natives bekommen auch schon heute Kinder. Das Potenzial ist hier riesig, wird aber scheinbar nicht gesehen.

Fazit dieses Blogartikels

Das Ergebnis des goldenen Windbeutels lässt sich nicht komplett übertragen. Aber 3 von 5 Siegern haben keine Facebookseite. Die zwei, die eine haben, bleiben unter ihren Möglichkeiten. Man darf vermuten, dass allen Unternehmen ihre z.T. ominöse Produktqualität bewusst ist. Hipp reagierte sofort, hier gibt es ein direktes Learning. Ich vermute, dass es bei den 3 Nicht-Facebookern und Anti Social Media Marketing Unternehmen nicht so schnell gehen wird.

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